EIN IDEALER ORT

 

"Sie wissen ja nicht, dass Bäume und Wolkenmeine große Liebe sind.Ich kann auf vieles

verzichten, aber ein Leben ohne Bäume undWolken ist unvorstellbar. Deshalb liebe ich

Mecklenburg so sehr, dort fand ich den größten,weitesten Himmel und die aufregendsten

Wolken, die sich ständig verwandeln."

Maxie Wander

 

 

 

NZZ - 15.02.2015:

«Jeder Mensch hat nur eine Heimat, da kann er noch so weit gehen, die wird er nicht los», heisst es einmal in «Ein idealer Ort». Anatol Schusters (mit dem DFJW-Preis Dialogue en Perspective geehrten) Spielfilm ist in der Abgeschiedenheit Vorpommerns angesiedelt, wo die satten Farben landschaftlicher Schönheit im Kontrast stehen zu den verfallenden Häusern. Auf einem Wirtschaftsgebäude verweisen die drei Buchstaben «LPG» (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) auf eine verblichene Vergangenheit. Zwei Dekaden nach dem Mauerfall geht es hier nicht um die historischen Wegmarken, sondern um den Überlebenskampf des Einzelnen. Was nicht heissen soll, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. (...)

«Ein idealer Ort» erzählt dazu durchaus passend vom Glauben an eine bessere Zukunft, die irgendwo auf einen wartet. Schusters kleiner beeindruckender Film über eine vierköpfige Familie und ihren unspektakulären Alltag benötigt gerade einmal 40 Minuten, um in äusserster Ökonomie die Entwurzelung seiner Figuren freizulegen. Der Umzug in die Stadt ist geplant, und während die Mutter (Jule Böwe) am alten Ort schon mit allem abgeschlossen zu haben scheint, sieht man, wie der Vater (Matthias Neukirch), der im Tierheim arbeitet, zunehmend mit der Vorstellung ringt, seine Blaskapelle und die Tiere im Stich zu lassen. «Ich will hier nicht eingehen wie die Hunde», schleudert ihm seine Frau entgegen, und mit diesem Satz hängt der Zweifel in der Luft, ob es so etwas wie Heimat überhaupt geben kann, wo jeder längst in seiner eigenen Welt lebt. Anatol Schuster beobachtet nur, er urteilt nicht.
Als Gegenbewegung zur Landflucht stellt er aber leise die Möglichkeit innerer Einkehr anheim. Wenngleich die Mutter auf die Frage des Maklers, weshalb man von hier weggehe, vorerst antwortet: «Aus den Kindern soll ja mal etwas werden.»