ANTI-PIRATERIE SPOT

 

Szenenbild/Kostüm: „Anti-Piraterie-Spot“, im Rahmen eines Wettbewerbs von
Constantin Film, 2010

 

Totale eines Filmsets: kein gigantischer Kinofilm, vielleicht ein Abschluss- oder Debütfilm. Etwa zwanzig Teammitglieder gehen ihren verschiedenen Tätigkeiten nach. Alle sind hochkonzentriert, die Stimmung ist jedoch gut.

In einem Blick durch den Sucher der Kamera sieht man den Film.

Plötzlich läuft eine Gruppe von fünf bis zehn Personen verschiedenen Typs durch das Set. Sie sind angezogen wie Businessleute, Bauarbeiter, Hausfrauen, Jugendliche, Kinder und Senioren – ein grober demografischer Querschnitt Deutschlands. Der Film hält wieder an. Eine ältere Frau in einem Blumenkleid schneidet mit einem Messer eine Lichtfolie durch. Auch die restlichen  Personen beteiligen sich am Vandalismus und werfen Lampen und Fahnen um, öffnen das Magazin der Kamera und werfen den heraussprudelnden Film herum. Hierbei verziehen sie alle keine Miene und wirken, als sei es das Normalste der Welt, was sie gerade tun. Die Teammitglieder jedoch sind derartig entsetzt, dass sie wie zu Salzsäulen erstarrt stehen und sitzen bleiben. Genauso schnell, wie die Gruppe auftrat, verschwindet sie auch wieder. Eine gut aussehende junge Frau hat den Windschutz eines Mikrofons geklaut und streichelt es, während sie beim Verlassen des Sets dem Kameramann ihr schönstes Lächeln schenkt.

Totale des zerstörten Filmsets, das Bild wird unscharf.

Titel: Ihr wollt gute Filme? Wir auch.
Raubkopien zerstören die Filmkunst.

 

Die Idee dieses Spots ist es, das Thema Raubkopien wieder mehr auf die Individuen, die in der Filmbranche arbeiten und unter den Folgen der Filmpiraterie leiden, zu beziehen. Wenn man sich heute die Diskurse im Internet ansieht, so scheint in einer Zeit, in der jeder mit seiner kleinen Kamera Videos für YouTube herstellen kann, in Vergessenheit geraten zu sein, dass es sich beim Filmemachen um großes handwerkliches Können handelt und dass es viele passionierte Menschen gibt, die sehr viel Zeit und Energie in das Erlangen dieser Fertigkeiten investieren.

Yatri Niehaus