MANIFESTO

 

“So will ich leben, bestrahlt von der Tugend einer Welt, die noch nie da ist.”
(Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

 

Ted Kaczynski, auch bekannt als „Unabomber“, verschickte zwischen 1978 und 1995 Briefbomben, an Universitätsprofessoren, Wissenschaftler, Ingenieure und Airlines. Dabei starben 3 Menschen, 23 wurden verletzt. Die New York Times veröffentlichte Auszüge aus seinem “Manifesto” über die Technisierung der Welt und die damit einhergehende Kontrolle allen Lebens. Diese Veröffentlichung führte zu seiner Enttarnung und Inhaftierung.Ted Kaczynski hatte sich in die Wälder von Montana als Einsiedler zurück gezogen und dort eine Hütte gebaut, in der er lebte. Seit seiner Festnahme sitzt er in einer Hochsicherheitszelle in Haft.
Beide Orte erzeugen Isolation, sowohl von der Gesellschaft als auch von anderen Menschen. Doch während die Hütte im Wald ein Rückzugsort ist, zeigt sich an der Zelle die totale Kontrolle einer Gesellschaft. Der Grundriss der Hütte und der der Zelle ist nahezu identisch. Die Hütte und die Zelle besitzen also eine Schnittmenge: MANIFESTO

 

 

 Der hochbegabte Ted Kaczynski wurde mit nur 25 Jahren Professor für Mathematik. Er zog sich bald danach aber in die Wälder von Montana zurück und baute dort eine Hütte in der er lebte.
In den New York Times veröffentlichte er Auszüge aus einem selbst verfassten Manifest. Darin warnte er vor der Technisierung der Welt und der damit einhergehenden Kontrolle allen Lebens. Ted Kaczynski, auch bekannt als der „UNA-Bomber“ verschickte, um seinem Manifest Öffentlichkeit zu verschaffen, zwischen 1978 und 1995 Briefbomben, an Universitätsprofessoren, Wissenschaftler, Ingenieure und Airlines.
Dabei starben 3 Menschen, 23 wurden verletzt.

Die Hütte von Kaczynski als Rückzugsort von der Zivilisation erinnert an die Beschreibungen von Henry D. Thoreau , die er in dem Buch „Walden or life in the woods“ niederlegte. Dabei handelt es sich zwar nicht um ein Manifest, doch die romantische Grundidee – fern von der Zivilisation, in einer Art Urzustand das richtige Leben zu suchen – ist hier zentral.
Woher kommt diese Idee, des „edlen Wilden“, des guten Naturzustands, des richtigen Lebens im Ursprung und der Verwerflichkeit der Gegenwartsgesellschaft?

Bis heute herrscht diese Idee bei kulturkritischen Denkern vor. Thoreau beschreibt, wie er sich 1854 während der Industrialisierung, aus der überfüllten Stadt in eine selbstgebaute Hütte im Wald zurückzieht. Der  Wunsch nach Eskapismus ist in der Gegenwart ebenso zu beobachten (Yoga, Floating, Computerspiele). Wir fühlen uns frei durch Smartphones und W-Lan, die permanente Verfügbarkeit von Informationen und die Möglichkeit an allem live teilzunehmen und merken dabei nicht, dass jede Freiheit eine neue Einschränkung bedeutet.

Kaczynski schaffte sich in den Wäldern von Montana ein Versteck, einen Schutzort und Freiraum, an dem er scheinbar nicht kontrolliert werden konnte, wie einst Thoreau.


Der Eskapist träumt sich innerlich aus der Gesellschaft fort, weil er sie all zu sehr verinnerlicht hat. So auch bei Kaczynski. Die Abgrenzung, die Flucht aus der Gesellschaft wirkt als Katalysator. Nur im Fluchtort kann er seine Theorien zu einem Weltbild und zum Wahn ausbauen und ein Mörder werden. Dabei kann nur die eine Art von kulturkritischem Manifest entstehen. Da er zu sehr ein inneres Abbild der Gesellschaft aufbaut, das er zerstören will. Der Eskapist kann also nicht außerhalb der Gesellschaft sein, da er sie zu sehr verinnerlicht hat. Das ist sein Dilemma. Er ist stets von ihr abhängig, er stärkt die Gesellschaft im gleichen Maße, wie er sie zerstören will. Und die Beschreibung der schlechten Gesellschaft lebt vor allem von der Idee des Guten in der Natur. Dabei legt er beide Welten in einer Art fest, die keine Änderungen zu lässt. Das Manifest wird zum eigenen Schicksal.

1995 wurde er durch die Veröffentlichung seines “Manifestos” von seinem Bruder enttarnt und festgenommen. Kaczynski sitzt bis heute in dem Hochsicherheitsgefängnis „Florance“ in Colorado. Diese Gefängnis ist nach dem sog. “Super-max-Standard” gebaut und die Größe jeder Zelle für Isolationshaft, sowie der Tagesablauf ist genauestens vorgegeben und minimiert den persönlichen Kontakt mit den Wärtern sowie Mithäftlingen. Die Zelle wird permanent
videoüberwacht. „Florance“ gilt als das sicherste Gefängnis der Welt. Vergleicht man die Maße der Hütte und der Gefängniszelle, so zeigt sich, dass der Grundriss nahezu der selbe ist.
Beide Orte schaffen eine Isolation, sowohl von der Gesellschaft als auch von anderen Menschen. Doch während die Hütte im Wald ein Rückzugsort ist, zeigt sich an der Zelle die Totalisierung von Kontrolle. Die beiden Orte - die Hütte im Wald und die Zelle - haben eine Schnittmenge. Sie gehören zusammen und sind gleichzeitig das Gegenteil von einander: Zwischen größter Exklusion: die Hütte (Ausschließung aus der Gesellschaft) und größter Inklusion: die Gefängniszelle (Einschließung in die Gesellschaft). Vom Aussteiger zum Insassen, von ganz Außen nach ganz Innen.